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24. Juli 2018 Aktuelles, Fragen und Antworten, Hanau, Main-Kinzig & die Region, Presse & Medien

Macht Sparen noch Sinn?

Im Interview mit dem Hanauer Anzeiger: Sparkassen-Chef Dr. Wiedemeier zur möglichen Zinswende und dem digitalen Umbruch seiner Branche.

Keine Zinsen, kaum Erträge: Sparer fragen sich, ob sich Sparen noch lohnt. Gleichzeitig stehen die Institute mit ihren Geschäftsmodellen vor großen Herausforderungen. Die Nullzinspolitik der Europäischen Zentralbank (EZB), die Digitalisierung des gesamten Wirtschaftslebens sowie veränderte Kundenbedürfnisse veranlassen auch die in öffentlich-rechtlicher Trägerschaft stehenden Sparkassen zur Anpassung ihrer Geschäftsstrategie. HA-Chefredakteur Robert Göbel sprach über diese Themen mit Dr. Ingo Wiedemeier, Vorstandsvorsitzender der Sparkasse Hanau.

 

Herr Dr. Wiedemeier, die Sparer sehnen die Zinswende herbei. Von der EZB kommen erste Signale. Wann können wir mit einer Anhebung des Leitzinses rechnen?

„Es wird noch eine ganze Weile dauern, bis die Zinsen wieder auf ein bedeutsames Niveau gestiegen sind. Zuerst einmal muss die EZB ihre Anleihekäufe beenden. Danach wird sie langsam damit beginnen, ihre Leitzinsen anzuheben. Das dürfte im Laufe des Jahres 2019 der Fall sein. Weil die EZB extrem behutsam die Leitzinsen nach oben nehmen wird, müssen wir sogar damit rechnen, dass die Sparzinsen erst gegen Mitte der 2020er-Jahre wieder die Inflationsrate übertreffen werden. Und bis dahin verliert das niedrig verzinste Ersparte Tag für Tag an Kaufkraft. Wir sprechen in diesem Zusammenhang von der Realzinsfalle.“

Macht Sparen in dieser Situation überhaupt noch Sinn?

„Generell ist es wichtig, Geld zu sparen. Ob als Altersvorsorge, für den Kauf einer Immobilie und für andere Anschaffungen oder Modernisierungen. Wer aber ertragreich Geld anlegen will, muss umdenken. Das klassische Sparbuch hat bei der anhaltenden EZB-Nullzinspolitik in der Tat ausgedient. Wer langfristig Vermögen aufbauen oder erhalten will, kommt an Wertpapieren nicht vorbei. So bietet es sich an, in einen Aktiensparplan zu investieren. Dies ist schon mit Beträgen von 25 bis 50 Euro im Monat möglich. Wer regelmäßig eine feste Summe in einen Fonds investiert, kauft in guten Börsenphasen, wenn die Kurse sehr hoch sind, automatisch nur wenige Anteile. In weniger guten Börsenzeiten mit niedrigen Aktienkursen erhält der Anleger dagegen für die gleiche Summe viel mehr Anteile. Im Ergebnis erzielt er einen attraktiven durchschnittlichen Kaufkurs. Mit dieser Methode profitiert der Anleger sogar von Kursschwankungen am Aktienmarkt und muss diese nicht fürchten.“

 

Wie werden die Börsen reagieren, wenn die Zinsen wieder steigen?

„Das ist in der Tat eine spannende Frage. Die Börsen haben sich an die lockere Geldpolitik und die hohe zur Verfügung stehende Liquidität gewöhnt, und jede Straffungsmaßnahme wird Unsicherheit mit sich bringen. Glücklicherweise hat die US-Notenbank aber schon mit ihrem Ausstieg aus der sehr lockeren Geldpolitik begonnen und erste Leitzinserhöhungen vorgenommen. Das ist gewissermaßen die Blaupause für die EZB. Da die globalen Finanzmärkte das alles bisher recht gut verkraftet haben, stehen die Chancen gut, dass es auch hierzulande glimpflich abläuft. Denn immerhin stehen hinter den Aktienkursanstiegen der vergangenen Jahre deutlich höhere Gewinne der Unternehmen. Die Unternehmen profitieren nicht nur von den niedrigen Zinsen, sondern vielmehr noch von dem kräftigen weltwirtschaftlichen Wachstum.“

 

Ein weiteres wichtiges Thema ist die fortschreitende Digitalisierung, ein Trend, der auch Sparkassen in vielen Bereichen beeinflusst. Ganz besonders in der Beratung durch die veränderten digitalen Bedürfnisse der Kunden. Vor kurzem haben die Sparkassen die Echtzeitüberweisung eingeführt. Was ist das Besondere daran?

„Bei der Echtzeitüberweisung kommt das Geld innerhalb von zehn Sekunden beim Empfänger an. Das ist deutlich schneller als bei einer Standardüberweisung. Die schnelle Überweisung steht unseren Kunden rund um die Uhr an 365 Tagen im Jahr für Euro-Zahlungen prinzipiell in allen 34 Ländern des SEPA-Raums zur Verfügung, und zwar bis zu einer aktuellen Betragsgrenze von 15.000 Euro. Voraussetzung ist, dass auch das empfangende Institut an dem Verfahren teilnimmt. Das ist aktuell für 1.100 Zahlungsdienstleister in 15 SEPA-Ländern der Fall. Das Verfahren kann im Online- und Mobile-Banking der Sparkasse Hanau genutzt werden. Bei Kwitt, unserem Handy-an-Handy-Bezahlverfahren, wird es bereits automatisch eingesetzt.“

 

Welche Vorteile bringt das Verfahren den Kunden?

„Sparkassen-Kunden können ab sofort ganz individuell entscheiden, ob das Geld sofort beim Empfänger ankommen soll oder standardmäßig übermittelt wird. Wenn man Geld in Echtzeit überweist, bekommt man sofort eine Information, dass das Geld beim Empfänger eingegangen ist. Derjenige kann dann im selben Augenblick über das Geld verfügen. Das geht ganz einfach und sicher.“

 

Für welche Zwecke bietet sich eine Echtzeitüberweisung an?

„In vielen Situationen kann das hilfreich sein: um Vertragsstrafen zu vermeiden, Skontovorteile zu nutzen oder um Geldgeschenke zum perfekten Zeitpunkt zu machen. Oder auch in Situationen, in denen weder Karten- noch Bargeldzahlung möglich ist: um den antiken Bilderrahmen auf dem Flohmarkt zu sichern oder den Traumwagen beim Autohändler anzuzahlen. Die schnelle Überweisung bietet auch Firmenkunden Vorteile. Für unsere Gewerbekunden werden Zug-um-Zug-Geschäfte beschleunigt, Lieferanten und Handwerker können sofort vor Ort bezahlt werden – mit Nachweis für die Steuer. Weitere Services und Produkte für Firmenkunden werden in 2019 folgen, so zum Beispiel die Möglichkeit zur Sammeleinreichung von Echtzeitüberweisungen.“

 

Funktioniert die Echtzeitüberweisung bei jedem Empfänger?

„Von Sparkassenkunde zu Sparkassenkunde funktioniert es seit dem ersten Tag. Generell gilt: Voraussetzung für eine erfolgreiche Echtzeitüberweisung ist, dass auch das Kreditinstitut des Empfängers an dem Verfahren teilnimmt. Ist das der Fall, wird unseren Kunden im Online- und Mobile-Banking während des Überweisungsvorgangs die Echtzeitüberweisung als Option angeboten. Das neue Verfahren ist kein gesetzliches ‚Muss‘, aber ein ‚Kann‘. Die Sparkassen-Finanzgruppe ist die erste Institutsgruppe in Deutschland, die die superschnelle Echtzeitüberweisung anbietet. Aktuell haben fast 1.100 Zahlungsdienstleister (insgesamt 4.200) in 15 Ländern des SEPA-Raumes ihren Beitritt erklärt und sich damit klar zu einer Teilnahme am Verfahren positioniert. Weitere Finanzinstitute werden folgen.“

 

Wie viel kostet die neue Echtzeitüberweisung?

„Die Echtzeitüberweisung kostet das gleiche wie eine SEPA-Überweisung.“

 

Wie sicher ist die Echtzeitüberweisung?

„Wir achten auf ein Höchstmaß an Sicherheit. Wie bei einer standardmäßigen Überweisung bekommt der Kunde die eingegebene Kontonummer und den Betrag noch einmal angezeigt und muss sie dann bestätigen, bevor die Transaktion durchgeführt wird. Das ist eine doppelte Absicherung.“

 

Ende des Monats wollen die Sparkassen ihren Kunden mobiles Bezahlen per Smartphone anbieten. Wie wird dies konkret funktionieren?

„Voraussetzung für mobiles Bezahlen auf Kundenseite ist ein Smartphone mit Android-Betriebssystem und NFC-Schnittstelle. Sparkassenkunden finden die Bezahl-App im Google Play Store unter der Bezeichnung „Mobiles Bezahlen“. Das App-Icon wird als Funktionspiktogramm mit den NFC-Wellen dargestellt. Sparkassenkunden können dann die neue Bezahl-App auf ihrem Smartphone installieren und ihre Sparkassencard (Girocard), ihre Sparkassen-Kreditkarte (Mastercard) oder beide Karten unkompliziert in der App digitalisiert hinterlegen. Jede Smartphone-Zahlung wird wie eine herkömmliche Kartenzahlung vom Konto des Kunden abgebucht. Für das mobile Bezahlen setzt die Sparkassen-Finanzgruppe auf die ‚Host Card Emulation‘ (HCE). Dies ist eine sichere Technologie zur Digitalisierung physischer Karten in NFC-basierten mobilen Bezahlsystemen. Bei HCE befindet sich die Zahlungsapplikation auf dem Betriebssystem des Mobiltelefons anstatt beispielsweise auf der SIM-Karte.“

 

Von Girocard bis Paydirekt: So funktionieren bargeldlose Zahlungssysteme

Die Mehrzahl der Deutschen zahlt am liebsten bar. Über 50 Prozent der Bundesbürger lieben die guten alten Münzen und Scheine – und das, obwohl es so viele andere Möglichkeiten gibt.

 

Girocard

Das zweitbeliebteste Zahlungsmittel der Deutschen ist die Girocard (früher: EC-Karte). Mit ihr kann Geld abgehoben, aber auch bargeldlos bezahlt werden – das Konto wird dann sofort oder innerhalb weniger Tage belastet.

 

Kreditkarte

Auch sie ist in Deutschland weit verbreitet – knapp ein Drittel der Menschen hier besitzt eine Kreditkarte. Ähnlich wie mit der Girocard kann mit der Kreditkarte Geld abgehoben oder bezahlt werden. Der Unterschied: Bei Nutzung der Kreditkarte begleicht zunächst das Kreditkartenunternehmen alle offenen Beträge – das Konto wird nicht sofort belastet. So erklärt sich auch der Name dieser Karte: Für kurze Zeit nimmt der Kartennutzer beim Anbieter eine Art Kredit auf. Diesen zahlt er monatlich immer dann zurück, wenn die Abrechnung des Kreditkartenunternehmens erfolgt. Ein weiterer Unterschied zur Girocard: Die Kreditkarte wird weltweit akzeptiert.

 

Girocard kontaktlos und NFC-fähige Kreditkarte

Mit der Girocard und Kreditkarte ist es möglich, kontaktlos zu zahlen und ohne sie ins Kassenterminal zu stecken. Per Funk. Diese Technik nennt sich Near Field Communication (NFC). Sie ermöglicht, dass zwei Elemente (hier: die Giro- oder Kreditkarte und das Kassenterminal) Daten austauschen. Einfach die Karte nah an das Terminal halten, dieses liest die Kartendaten aus und führt die Zahlung aus. Der Bezahlvorgang dauert weniger als eine Sekunde.

 

Kauf auf Rechnung

Der Kauf auf Rechnung ist als Zahlungsmethode weit verbreitet, auch bei Online-Käufen. Der wichtigste Grund: die Sicherheit. Es wird erst dann bezahlt, wenn die Ware angekommen und in Ordnung ist. Ein weiterer Pluspunkt: Keine sensiblen Bankdaten werden im Internet angegeben. Das Nachsehen hat hier unter Umständen der Verkäufer: Er geht ein Risiko ein, wenn er Ware verschickt, ohne dass sie vorher bezahlt wurde.

 

Bezahlen per Vorkasse

Anders sieht das bei der Vorkasse aus. Hier sichern sich Händler ab, indem sie den fälligen Betrag bereits vor dem Versand der Ware einfordern. Das heißt: Solange der Käufer nicht zahlt, gibt der Verkäufer das Bestellte nicht aus den Händen. Für den Kunden ist diese Bezahlmethode risikoreich. Denn unseriöse Händler können sich mit dem Geld auf und davon machen, ohne dass der Käufer die Ware je zu Gesicht bekommt. Anders als beim Lastschrifteinzug kann das Geld bei diesem Bezahlverfahren auch nicht zurückgebucht werden.

 

Zahlung per Lastschrifteinzug

Das Lastschriftverfahren bietet sich immer dann an, wenn der Kontoinhaber jemandem (etwa der Versicherung oder dem Mobilfunkunternehmen) erlauben möchte, regelmäßig Geld vom Girokonto einzuziehen. Um den Lastschrifteinzug zu nutzen, erteilt man dem Gläubiger ein Lastschriftmandat (Einzugsermächtigung); dieser zieht dann den fälligen Betrag vom Konto ein. Das Lastschriftverfahren ist sehr sicher, denn das Geld kann innerhalb von acht Wochen ohne Angabe von Gründen zurückgebucht werden. Bei unautorisierten Abbuchungen geht das sogar noch 13 Monate später.

 

Online-Bezahlsysteme wie beispielsweise paydirekt

Immer größerer Beliebtheit erfreuen sich sogenannte Online-Bezahlsysteme. Beim Bezahlvorgang schalten sie sich zwischen Händler und Kreditinstitut und übernehmen die Zahlungsabwicklung. Das funktioniert in den meisten Fällen so: Eine Person richtet sich bei einem Online-Bezahlsystem ein Benutzerkonto ein. Dazu werden die Kontoinformationen beim Anbieter des Bezahlsystems hinterlegt. Beim Bezahlvorgang reicht es dann, wenn der Kontoinhaber seine Identität mit der E-Mail-Adresse und dem Passwort bestätigt. Weiterer Pluspunkt: Viele der Bezahlsysteme bieten einen Käuferschutz, falls die bestellte Ware gar nicht oder beschädigt beim Käufer ankommt.

Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung des Hanauer Anzeiger.

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